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Die vier Phasen der Migration

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1. Confrontation with the new culture

MigrantIn zu sein, ist nicht immer leicht. Oft fühlen sich Menschen, die ihre Heimat verlassen und sich für einen Neuanfang in einem fremden Land entschieden haben isoliert und entfremdet. Eine enorme Rolle bei der Bewältigung dieser Gefühle, spielt das Erlernen der neuen Sprache bzw. der langsame Abbau der Sprachbarriere.

Beherrscht man die Landessprache nicht, führt dies fast unweigerlich zu einem Gefühl der Hilflosigkeit, der Minderwertigkeit, der Angst oder des Versagens – denn Sprach ist und bleibt DAS Kommunikationsmittel schlechthin.

Die Folge davon ist oft, dass MigrantInnen ganz bewusst die Kommunikation mit Einheimischen reduzieren oder vermeiden. Ein Teufelskreis, denn diese fassen das nicht-sprechen als Verschlossenheit oder Abneigung gegen sie oder ihr Land auf und reagieren ihrerseits mit Zurückhaltung oder – im schlechtesten Fall – mit Ablehnung. So entsteht eine Spirale, aus der MigrantInnen oft nur schwer wieder herausfinden, insbesondere wenn sie generell eine eher introvertierte oder ein wenig schüchterne Persönlichkeit besitzen. Das kann soweit führen, dass eine regelrechte Ignoranz der neuen Sprache gegenüber entwickelt wird, die auch als Selbstschutz dient. Nach dem Motto „ich verstehe dich nicht, also kannst du mich auch nicht beleidigen oder kränken“.

Um diesen Kreis zu durchbrechen und die Integration erfolgreich voranzutreiben, ist es unglaublich hilfreich Kontakt zu Landsleuten zu pflegen, die ebenfalls in die neue Heimat eingewandert sind. Das (mit)teilen von Emotionen, Ängsten oder auch einfach nur Erlebnissen in der eigenen Muttersprache gibt MigrantInnen Sicherheit und Stärke und ist ein sehr guter Weg um Spannungen abzubauen. Auch wenn der übermäßige oder ausschließliche Kontakt mit Landsleuten die Integration verlangsamt oder sogar verhindert, ist es in diesem Stadium wichtig diesen „Rückzugsort“ zu haben um die eigene kulturelle Identität zu pflegen und aus dem Gefühl von Zusammengehörigkeit die Stärke für die Herausforderungen der Integrtation zu schöpfen.

2. Aggression

Auch Aggression ist ein völlig normaler Gefühlszustand im Rahmen einer Migration. Der Prozess der Anpassung verlangt von MigrantInnen ein hohes Maß an Willenskraft und erfordert oft ein Umdenken in den unterschiedlichsten Lebensbereichen. Dies kann sehr anstrengend und oft auch frustrierend sein. Während dieser ersten Zeit entwickeln MigrantInnen oft psychosomatische Störungen, Depressionen oder andere neurologische Probleme. Manchmal führen die Herausforderungen die Integration mit sich bringt auch zu Problemen innerhalb der Familie.

In dieser Phase kommt es oft zu Irritation über lokale Bräuche und Gepflogenheiten der einheimischen Bevölkerung, die schließlich in völlige Ablehnung des neuen Heimatlandes münden kann. MigrantInnen, die sich in diesem Stadium befinden, haben oft den Wunsch in ihr altes Heimatland zurückzukehren um wieder in einer Umgebung zu leben, die ihnen vertraut und sicher erscheint. Nicht selten, wird in dieser Phase völlig vergessen oder verdrängt, warum die alte Heimat verlassen wurde.

3. Anpassung

In diesem Stadium finden MigrantInnen Ressourcen, die oben genannten Probleme zu bewältigen. Dies kann durch den immer besser werdenden Spracherwerb geschehen, durch den Aufbau von Beziehungen zur lokalen Bevölkerung, durch kleine oder große Erfolgserlebnisse in Job oder Alltag oder durch die Wiederaufnahme von Hobbys oder Freizeitaktivitäten die bis dato in der neuen Heimat vernachlässigt wurden. Das Land und seine Menschen erscheinen in dieser Phase plötzlich zugänglicher und weniger kompliziert.

Wo vorher oft die Angst und Verunsicherung den Alltag bestimmt haben, gewinnen MigrantInnen in dieser Phase zunehmend an Lebensfreude zurück und beginnen sich in der neuen Umgebung langsam wohl und zuhause zu fühlen. Die alte Heimat wird nach und nach weniger schmerzlich vermisst und der Kontakt zu Landsleuten verändert seine Bedeutung. Auch wenn er nach wie vor gepflegt wird, geschieht dies eher zum Vergnügen und weniger um ein Gefühl von Sicherheit zu erlangen.

Am Ende dieses Stadiums sind MigrantInnen in der Lage, anderen zu helfen. Zum Beispiel anderen Einwanderern, deren Migration erst kurz zurückliegt und die mit denselben Herausforderungen kämpfen, wie sie selbst kurze Zeit davor.

4. Adaption

In der vierten und letzten Phase haben sich MigrantInnen vollständig an die Welt um sich herum angepasst ohne dabei ihre Identität verloren zu haben. Die Interaktion mit der einheimischen Bevölkerung, ist zu etwas Natürlichem geworden und alltägliche Situationen verursachen keine unangenehmen Gefühle mehr. MigrantInnen haben in diesem Stadium
die Fähigkeit die unterschiedlichen Aspekte der neuen Heimat neutral zu bewerten, ohne es mit dem alten Heimatland zu vergleichen. Im Zusammenhang mit der Migration überwiegen die positiven Gefühle und die Lebenssituation ist völlig stabilisiert.

In diesem Stadium des Bikulturalismus hat die Auswanderung und die Absorbierung zweier Kulturen, die Persönlichkeit und das Selbstwertgefühl des Migranten/der Migrantin nachhaltig bereichert.